Siebenmeilenstiefel

Solarmodul indielux an Balkonbrüstung ©indielux

Ist die Menschheit auf dem Weg in die Klimakatastrophe oder sind die erneuerbaren Energien auf dem Weg zum Durchbruch?

Paradoxerweise scheint beides gleichzeitig der Fall zu sein. Sehen wir es so: Die Klimakrise kann eine Chance sein, mutig am Ende der Sackgasse zu wenden, um mit ausreichend Rückhalt Veränderungen auf den Weg zu bringen.

Die Energiewende schreitet in Deutschland -wie auch weltweit- mit Siebenmeilenstiefeln voran. Es könnte und müsste noch viel schneller gehen. Dennoch sind weltweit ca. 70 GW neue Solare-Erzeugungskapazität und ca. 40 GW neue Windenergiekapazität pro Jahr ein Erfolg. In Deutschland treibt der Erfolg der Energiewende den Politikern der Bundesregierung jedoch den Schweiß auf die Stirn: Sie wissen nicht, ob und wie sie etwas fördern sollten, was ohnehin erfolgreich ist. Zwei Cent mehr Vergütung können einen Investitionsboom auslösen, ein Cent weniger den Umbauprozess zum Erliegen bringen und die dort vorhandenen Arbeitsplätze vernichten.

Marktbremse Ausschreibung

Mit dem Wechsel von der festen Vergütung erneuerbarer Energien zur Ausschreibung von Erzeugungskapazität wurde ausgerechnet ein Marktinstrument gewählt, das auf der Begrenzung des Ausbaus beruht. Damit widerspricht der neue gesetzliche Rahmen dem Ziel einer schnellen Wende zu mehr Klimaschutz. Immerhin erzeugte bereits die Ankündigung eines Systemwechsels Torschlusspanik in der Windbranche. Diese sorgte 2017 für Rückenwind von Projekten, die noch schnell auf Basis des alten Fördermechanismus realisiert wurden. Die ersten Ergebnisse der parallelen Ausschreibungen deuten darauf hin, dass nur wenige Marktteilnehmer trotz des Preisdrucks überleben können. Die Photovoltaikbranche zeigt, dass mit dem derzeitigen Ausschreibungssystem das gesteckte Ziel von 2,5 GW pro Jahr weit verfehlt wird und Arbeitsplätze verloren gehen.

Ein Viertel mehr Strom aus Wind und Sonne

Es ist ein Phänomen der Branche, dass sie sich trotz der politischen Bremsklötze mit Investitionsbereitschaft und Innovationen immer besser im Markt behauptet. Wenn die letzte Bundesregierung das Ziel hatte das Wachstum der erneuerbaren Energien zu bremsen ist sie damit jedenfalls gescheitert. Die Erneuerbaren Energien lieferten 2017 mit ca. 138 TWh Strom 25 Prozent mehr als im Vorjahr. Das lag vor allem an einem deutlich besseren Windangebot und dem erheblichen Zubau an Windenergieanlagen sowohl 2016 als auch 2017. Die starke Erzeugungssteigerung der Windenergie traf zusammen mit der Inbetriebnahme einiger wichtiger Verbindungsleitungen, wie z.B. der Thüringer Strombrücke, was eine reibungslose Verteilung des Stroms verbesserte. Der Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch in Deutschland stieg auf über 36% (nach vorläufigen Schätzungen des BDEW). Mit fünf neuen Offshore-Windparks (Sandbank, Veja Mate, Nordergründe, Wikinger, Nordsee One) mit über 1,4 GW Nennleistung und dem deutlichen Zubau von Windenergie an Land von ca. 5 GW, sowie 1,6 GW Photovoltaik sind mehr als 8 GW erneuerbare Leistung neu in Betrieb genommen worden.

Atom- und Kohleausstieg keine Gefahr

Auch im neuen Jahr können die Stromverbraucher in Deutschland eine sichere Stromversorgung erwarten. Erneuerbare Stromerzeugung wird die Leistung des vom Netz genommenen AKW Grundremmingen und der in den Ruhestand verbannten Braunkohlekraftwerksblöcke in Frimmersdorf, Niederaußem und Jänschwalde deutlich überkompensieren. Ein Anstieg der Strompreise wird daher erneut ausbleiben oder sehr moderat ausfallen. Auch die Zahl der Netzunterbrechungen verharrt in Deutschland auf sehr niedrigem Niveau.

Neue Wachstumschancen für die Photovoltaik in 2018

Mieter oder Wohnungseigentümer können sich endlich legal mit einem Solarmodul am Balkon oder auf der Terrasse ein bisschen Strom produzieren und ihn im Haushalt nutzen. Eine neue Sicherheitsnorm ermöglicht es, ein dafür konfektioniertes Photovoltaikmodul mit einem Wechselrichter einfach in die Steckdose zu stecken und damit den Stromzähler zu bremsen. Gleiches gilt auch für Mieterstrom, wenn sich die Hausgemeinschaft von einer Sonnenstromanlage auf dem Dach versorgen lassen will. Das neue Mieterstromgesetz sorgt dafür, dass diese Art der Stromversorgung besonders gefördert wird. Wird die Förderung ausreichen? Hoffnung macht die positive Entwicklung bei Solarstromspeichern, die für neue Anlagen eine Verbesserung der Wirtschaftlichkeit durch höheren Eigenverbrauch der selbst erzeugten Energie ermöglicht.

Speicher sind verfügbar

Sollte ein Politiker noch einmal Angst und Schrecken verbreiten wollen, dass Speicher für erneuerbare Energien fehlen, läuft diese Drohung garantiert ins Leere. Ein Anruf bei Elon Musk genügt und hundert Tage später steht die größte Batterie der Welt betriebsbereit vor der Haustür. So geschehen in der Provinz Südaustralien, wo der Tesla-Chef versprochen hatte die Batterie umsonst zu liefern, wenn er die Lieferfrist von 100 Tagen für eine 100 MWh Lithium-Ionen-Batterie nicht halten könne. Nachdem Strom aus erneuerbaren Energien in den letzten Jahren preiswerter als Strom aus fossilen Quellen geworden ist, wird er nun auch noch zuverlässiger.

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