stolz, glücklich oder beides

Tokai Challenger auf dem Weg zum 4. Platz | ©worldsolarchallenge.org

Die World Solar Challenge ist am Sonntag in Adelaide mit der Preisverleihung zu ende gegangen. Sieger des diesjährigen Solarautorennens war -wie im Vorjahr- das Team der TU Delft aus den Niederlanden.

Nuna 9, das Siegerfahrzeug der Challenger-Klasse, erreichte Adelaide am Donnerstag kurz nach 14:00 Ortszeit. Die 3021 km lange Rennstrecke durch das Australische Outback wurde ohne einen Tropfen Sprit, ohne Strom aus dem Netz, nur mit der Kraft der Sonne bewältigt. Das Rennen war in diesem Jahr eine besondere Herausforderung, weil sich die Sonne an mehreren Tagen überwiegend hinter Wolken versteckte und es sogar regnete. Dem siegreichen Solarauto genügte eine Solarzellenfläche von 2,64 m² um eine Durchschnittsgeschwindigkeit von über 81 km/h zu erreichen. Zweiter wurde das Team aus Michigan mit Novum und einem Rückstand von zwei Stunden; dritter Punch II von der Universität Leuven in Belgien. Das Team Sonnenwagen Aachen kam bei ihrem Debüt leider nicht in die Wertung, erreichte Adelaide jedoch aus eigener Kraft in respektabler Zeit.

In der Cruiser-Klasse siegte Stella Vie, ein 5-sitziges Familienauto aus Eindhoven vor dem blue.cruiser des Bochumer Teams und dem australischen Arrow STF Team. Die mehrsitzigen, straßenzugelassene Solar-Cruiser durften nachts an der Steckdose geladen werden. Der Sieg war jedoch demjenigen Sonnenfahrzeug vergönnt, dass mit dem geringsten externen Energieverbrauch die meisten Personen beförderte. Während ein Tesla S85 für die Strecke rund 642 kWh benötigen würde und mindestens 7 Ladestopps einlegen müsste, begnügte sich Stella Vie bei durchschnittlich 3,4 Passagieren mit nur 45,7 kWh (5 Ladestopps). Ein sensationell niedriger Verbrauch. Selbst der zweitplatzierten blue.cruiser benötigte zweieinhalb mal soviel Strom aus der Steckdose.

Teure Hightech auf dem Treppchen

Alle drei Siegerfahrzeuge der Challenger-Klasse wurden durch Multijunction Gallium-Arsenid Solarzellen mit über 35% Wirkungsgrad angetrieben. Dieser Zelltyp wird wegen der hohen Kosten sonst nur für Spezialanwendungen, z.B. in der Raumfahrt verwandt. Alle anderen Fahrzeuge nutzten hocheffiziente monokristalline Siliziumzellen mit bis zu 24 % Wirkungsgrad. Sie durften 4 m² Solarzellen auf der Außenhaut des Fahrzeugs verbauen. Das Rennen um die Podiumsplätze hinter der Siegerin war trotz der unterschiedlichen Zelltypen bis zuletzt offen. Zwischen dem zweiten und dem 5. Platz lagen nur 47 Minuten.
Enttäuschend jedoch, dass die Hälfte der 24 gestarteten Teams aus der Wertung herausfielen und das Rennen in der Adventure-Klasse beendeten: Das Sonnenwagenteam aus Aachen erreichte einen Kontrollpunkt 10 Minuten nach Ablauf der erlaubten Zeit und wurde aus der Wertung genommen. Andere Teams hatten mit Defekten zu kämpfen und mussten die Solarfahrzeuge Huckepack nehmen. Die Veranstalter streben eine Mindestgeschwindigkeit von ca. 60 km/h an, weil sie sonst durch sehr langsam fahrende Solarfahrzeuge eine erhöhte Unfallgefahr mit dem regulären Verkehr auf dem Stuart Highway sehen.

In der Cruiser-Klasse kam der blue.cruiser vom Bochumer Team trotz zahlreicher Defekte pünktlich ins Ziel. Von 12 gestarteten Solar-Cruisern kamen nur 3 Fahrzeuge in die Effizienzwertung, die eine Ankunft bis Freitag 14:00 Uhr voraussetzte. Die Solar-Cruiser aus Hongkong und Minnesota, Sophie IV und Eos II erreichten das Ziel verspätet, jedoch aus eigener Kraft. Alle anderen Fahrzeuge mussten Teilstrecken transportiert werden.

Langes Partywochenende

Zwischen Donnerstag und Sonntag wird auf dem Victoria Square in Adelaide jedes eintreffende Solarfahrzeug gefeiert. Dort rollen die Solar-Rennwagen über den roten Teppich. Anschließend liegen sich die Teams stolz und glücklich in den Armen und krönen den Abschluss mit einem Bad im Brunnen. Für vier Tage ist der Platz eine Art Rennlager, bevor die World Solar Challenge mit einem Autokorso und der abendlichen Preisverleihung ihren Abschluss findet.

Wer sich für die Solaren Rennfahrzeuge und die Abenteuer der Teams näher interessiert, dem seien die Videotagebücher der Teams empfohlen (s. Slider unten). Die Abenteuer des Wettkampfes lassen sich dort jederzeit auf den Bildschirm holen. Die nächste World Solar Challenge findet 2019 statt. Die Universitäten haben bereits mit der Anwerbung der Teammitglieder begonnen.

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2 comments for “stolz, glücklich oder beides

  1. Nigel
    18. Oktober 2017 at 11:57

    I’m sure it will be a great blog when I have finished translating and reading it but, in the meantime, I noticed a small error. Nuon finished just after 2pm on Thursday, not Friday.

    • perpetu
      18. Oktober 2017 at 21:01

      Thank you for your note, Nigel!

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