Technologietransfer

Sion bei Präsentation | ©Sono Motors

In 4 Tagen startet die Word Solar Challenge (WSC) in Australien das 30 jährige Jubiläumsrennen. Die Hartnäckigkeit, mit der seit 1987 Jahren alle 2 Jahre Solarautos quer durch die Australische Wüste geschickt werden, trägt inzwischen Früchte. Die Technologie wird aus dem Outback in den Alltag übertragen.

Jedoch weniger durch etablierte Autohersteller, sondern durch neu gegründete Unternehmen. Klevere, junge Ingenieure und Mangager haben entdeckt, dass Elektrofahrzeuge sehr preiswert hergestellt und mit geringen Verbrauchskosten bewegt werden können.

Der Aachener Sonnenwagen entstand in einem Technologieumfeld an der RWTH Aachen, aus dem heraus auch die e.GO Automobile und der Streetscooter der Post entstanden sind. Diese jungen Unternehmen bauen Elektrofahrzeuge, die von der etablierten Autoindustrie nicht geliefert werden können. Der e.GO „Life“ ist ein kompaktes Stadtauto für 16.000 €, das mit 25% staatlicher Förderung rechnen kann. Der Streetscooter „Work“ ist ein Kleinlieferwagen, den die Post erst im eigenen Unternehmen einsetzte, nun aber für rund 32.000 € auch auf dem freien Markt erfolgreich anbietet.

Die Studenten der RWTH Aachen, die in 4 Tagen in Darwin mit dem Sonnenwagen an den Start gehen, können also sicher sein, dass ihr Wissen und ihre Erfahrung mit solarer Mobilität in der Region Gold wert sein wird. Auch das Team aus Bochum stößt mit dem blue.cruiser auf reges Interesse der Industrie. Das Team aus Eindhoven -140 Kilometer westlich von Bochum und 100 km nördlich von Aachen- zeigt, wie der Weg vom Rennfahrzeug zum Familienauto aussehen kann. Sie vermarkten mit Stella Lux und der neuen Version Stella Vie offensiv die Vision eines Energie produzierenden Sonnenautos als Modell für den Automarkt von Morgen.

Einen bedeutenden Schritt in Richtung der Eindhovener Vision realisiert gerade das junge Unternehmen Sono Motors. Das Elektroauto Sion aus München ist kein Solarauto. Aber der Viersitzer hat 7,5 m² Solarzellen mit 1,2 kWp Leistung in der Karosserie integriert. Er kann bereits bestellt werden und soll 2019 ausgeliefert werden. Der Hersteller schätzt, dass die Solarzellen den Eigentümern des Wagens an sonnigen Tagen 30 km zusätzlichen Aktionsradius bescheren werden. Auch ohne solare Unterstützung soll der Sion 250 km Reichweite haben. Ebenfalls in München, bietet die Firma EVUM einen solar unterstützten Kleinlaster mit Allradantrieb an. Der LKW ist klein, bescheiden ausgestattet und nur 50 km/h schnell. Aber er wurde speziell für Entwicklungsländer entwickelt und soll daher billig, leicht zu reparieren und überall einsetzbar sein; auch dort, wo Benzin Mangelware ist. Wenn man sich die Bilder und Zeichnungen des Fahrzeug anschaut, erscheint das Ziel sehr realistisch. Das Unternehmen ist eine Ausgründung aus einem Forschungsprojekt der TU München.

Solarzellen auf Elektroautos werden für die schwergewichtigen Alltags-PKW in absehbarer Zeit nicht genügend Antriebsenergie liefern können. Der Sion ist mit 1,4 Tonnen immer noch gut dreieinhalb mal so schwer wie die Favoriten der Cruiser-Klasse bei der WSC, Stella Vie und blue.cruiser. Sie zeigen jedoch mit der 20-fachen solaren Fahrleistung (600 statt 30 km), wie sparsam die Autos von Morgen sein können. Dennoch reicht die Fläche auf dem Auto bereits heute aus, um elektrische Zusatzgeräte, wie Klimaanlage oder Radio mit Strom zu versorgen. Im Campingbereich ist eine Klein-Solaranlage auf dem Dach des Wohnmobils längst Standard. Bei längeren Standzeiten in der Natur ohne Netzanschluss droht dann nicht mehr die Autobatterie leer gesaugt zu werden. Das Gefühl von Unabhängigkeit und Freiheit liefert der Strom aus der Sonne vom Dach für ein Taschengeld, zumindest im Vergleich zu den sonstigen Kosten eines Wohnmobils. Einen Wohnmobilhersteller hat das zu einem Prototyp inspiriert. Die Zellen überdecken dort jedoch auch Flächen, die niemals Sonnenlicht erwarten können. Aber bis zum Start von solar angetriebenen Wohnmobilen bei der WSC werden ja auch noch ein paar Jahre vergehen.

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